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Gesundheitssystem
Finanzierung und Kosten, Lohnnebenkosten


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Ausgaben und Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens aktuell - ein weiteres Stück Gesundheitsberichterstattung.

Artikel 1579 Aus der kruden Perspektive der "Lohnnebenkosten" sind die Gesundheitsausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) seit Jahrzehnten zu hoch, aus Sicht der niedergelassenen Ärzte ist entweder zu wenig Geld "im System" oder muss explizit rationiert werden und die Protagonisten und Propagandisten des "Jobmotors" Gesundheitswirtschaft sehen außerhalb der GKV-Gesundheitsversorgung Milliardeneinnahmen ungehoben liegen.

Wie es mit den Ausgaben für Gesundheit und deren Finanzierung wirklich aussieht war noch nie einfach zu verstehen; nicht zuletzt wegen der massiven, mächtigen und persistenten Mythen à la "Kostenexplosion" und "Gefährdung des Wirtschaftsstandortes durch Lohnnebenkosten".

Das im Mai 2009 veröffentlichte Heft Nr. 45 der "Gesundheitsberichterstattung des Bundes" liefert in kompakter Weise einen aktuellen Überblick, der in den zahllosen Debatten u.a. über die eingangs zitierten Parolen und Forderungen nützlich sein kann.

Zu den Kernergebnissen dieses Bandes gehören:

• "In den zwölf Jahren von 1995 bis 2006 haben sich die Gesundheitsausgaben um 58,5 Milliarden Euro auf 245 Milliarden Euro erhöht", ein Anstieg, der den Mythos von der "Kostenexplosion" früher wie heute als Faktum erscheinen lässt. Dahinter verschwindet die Tatsache, dass die Ausgaben im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt nicht überproportional gestiegen sind: "Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag in den letzten Jahren zwischen 10,1 % und 10,8 %." Nicht bewegter ging es bei den Leistungsausgaben der GKV zu, die sich seit Ende der 1970er Jahre stets irgendwo zwischen einem Anteil am BIP von 6% bis 6,5% (2007: 6,3%) hin und her bewegte.
• Der wichtigste Ausgabenträger ist die GKV, bei der rund 88 % der deutschen Bevölkerung versichert sind und die ca. 57 % der Gesundheitsausgaben trägt.
• Die Bedeutung von privat finanzierten Leistungen nimmt stetig zu.
• Ärztliche Leistungen sowie die Waren des Gesundheitswesens - also Arzneimittel, Hilfsmittel, Zahnersatz und sonstiger medizinischer Bedarf - sind die ausgabenmäßig bedeutendsten Leistungsarten. Die kostenintensivste Einrichtung sind die Krankenhäuser.
• Im internationalen Vergleich liegt Deutschland beim Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt im oberen Drittel und bei den Ausgaben je Einwohner im Mittelfeld der OECD-Staaten.
• Seit 1995 hat sich die Struktur der Finanzierung im Gesundheitswesen zu Gunsten der öffentlichen Haushalte sowie der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber und zu Lasten der privaten Haushalte/privaten Organisationen ohne Erwerbszweck verschoben. Die Finanzierung aus Bundesmitteln wird zukünftig an Bedeutung gewinnen.
• 2006 gaben die privaten Haushalte 5,3 Milliarden Euro für Zuzahlungen zu GKV-Leistungen aus. Für Arzneimittel sowie die ärztliche Behandlung mussten dabei die meisten Zuzahlungen geleistet werden. Die Eigenbeteiligung der privaten Haushalte an den Gesundheitsausgaben in Deutschland entspricht dem Niveau der Nachbarstaaten.
• "Die privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (o. E.) finanzierten 2006 rund 13,6 % der gesamten Gesundheitsausgaben. Die privaten Haushalte haben einen deutlichen Ausgabenanstieg zu verkraften."
• Die private Krankenversicherung hat ebenfalls überdurchschnittliche Ausgabenzuwächse. Rund 9,2 % der Gesundheitsausgaben werden von der privaten Krankenversicherung getragen.
• Eine Studie des Wissenschaftlichen Institutes der allgemeinen Ortskrankenkassen (WIdO) schätzte - basierend auf Selbstauskunft der Versicherten - den Umsatz der IGeL für 2004 auf knapp 1 Milliarde Euro.
• Für rezeptfreie und frei verkäufliche Arzneimittel zur Erhaltung der Gesundheit und zur Behandlung von Gesundheitsstörungen haben die Patientinnen und Patienten 2006 insgesamt 4,5 Milliarden ausgegeben. Von diesen Präparaten wiederum werden mehr als zwei Drittel ohne vorangegangene Arztkonsultation von den Verbraucherinnen und Verbrauchern selbst gekauft.

Das vom Robert-Koch-Institut in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt herausgegebene Heft 45 der "Gesundheitsberichterstattung des Bundes" zum Thema "Ausgaben und Finanzierung des Gesundheitswesens" von Michael Müller und Karin Böhm umfasst 47 Seiten und ist kostenlos als PDF-Datei erhältlich.

Bernard Braun, 16.6.09