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US-Gesundheitssystem: Verdoppelung der Kosten bis 2017, mehr Effektivität durch evidenzbasierte Gesundheitsversorgung?

Artikel 1154 In einer am 26.2.2008 veröffentlichten Studie in der renommierten Zeitschrift "Health Affairs" sagen Keehan und Kollegen eine Verdoppelung der Gesundheitsausgaben in den USA bis 2017 voraus.
Für 2007 wird ein Wachstum der Ausgaben um 6,7 Prozent auf 2,2 Billionen Dollar erwartet, entsprechend einem Anteil von 16,7 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Bei gleichbleibendem jährlichem Wachstum von 6,7 Prozent ergeben sich für das Jahr 2017 Ausgaben von 4,3 Billionen Dollar; da für das BIP ein Anstieg von 4,7 Prozent pro Jahr erwartet wird, steigt nach dieser Berechnung der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP auf 19,5 Prozent. Ursache für die Ausgabensteigerungen sind höhere Preise, höheres Leistungsvolumen und - zu einem geringeren Teil - die Alterung der Bevölkerung. Für Medicaid, die staatliche Krankenversicherung für die ärmere Bevölkerung, werden überdurchschnittliche, für die Private Krankenversicherung unterdurchschnittliche Ausgabensteigerungen erwartet. Detaillierte Prognosen werden für die Ausgabenbereiche verschreibungspflichtige Medikamente, Krankenhäuser, ärztliche Behandlung sowie ambulante und stationäre Pflege erstellt. Das Berechnungsmodell geht von der derzeitigen Gesetzes- und Regelungslage aus.

Bereits am 24. 1.2008 hatte das Institute of Medicine einen Bericht veröffentlicht, der sich mit der Effektivität des amerikanischen Gesundheitssystems befasst. Knowing What Works in Health Care: A Roadmap for the Nation setzt an dem bekannten Sachverhalt an, dass die USA das mit Abstand teuerste Gesundheitssystem der Welt haben, mit eine Reihe von Gesundheitsindikatoren jedoch im unteren Bereich liegen. Effektivitätsprobleme zeigen sich in der Variabilität der Versorgung - Regionen, in denen mehr medizinische Leistungen erbracht werden, sind nicht gesünder als Regionen mit weniger medizinischen Leistungen. Hohe geographische Varíabilität bestehe z.B. für Computertomographie, Kernspintomographie, Intensivbehandlung in den letzten sechs Lebensmonaten und Behandlung durch Spezialisten. Hier könnten möglicherweise Kosten gesenkt werden, ohne die Gesundheit zu verschlechtern.
In dem Report werden drei Bereiche zur Verbesserung der Effektivität des amerikanischen Gesundheitssystems beschrieben:
• Prioritätensetzung für die Generierung von Evidenz
• Systematische Übersichtsarbeiten als Verbindung zwischen Evidenz und klinischer Entscheidung
• Entwicklung von vertrauenswürdigen Praxisleitlinien
Für diese Aufgabe empfiehlt der Bericht die Einrichtung einer Institution, die für die klinische Effektivität Verantwortung trägt und betrachtet dafür die analogen Strukturen u.a. in England (NICE) und Deutschland (IQWiG).

David Klemperer, 26.2.2008