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Patienten
Arzneimittel, Medikamente
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Teure Placebo-Pillen werden im Experiment weitaus besser bewertet als billige
Arzneimittel werden - ganz ähnlich wie auch andere Konsumgüter - von Verbrauchern und Patienten im Unterbewusstsein stets auch nach ihrem Preis bewertet: Billige Medikamente gelten daher als weniger wirksam im Vergleich zu eher teuren. Dieses Ergebnis hat sich jetzt in einem Experiment gezeigt, bei dem Versuchspersonen ein Placebo-Schmerzmittel bekamen, also Pillen ohne medizinisch wirksamen Inhalt. Allerdings erhielten die 82 Versuchsteilnehmer unterschiedliche Informationen über den Preis des angeblich neuen Schmerz-Medikaments: Einmal kostete eine einzelne Pille 2,50 Dollar, einer zweiten Gruppe wurde ein Preis von nur 10 Cent mitgeteilt. Exakt diese unterschiedliche Information war dann jedoch maßgeblich für die Bewertung der schmerzlindernden Wirkung des Placebos.
Insgesamt 82 Teilnehmer folgten im Jahr 2006 in Boston, Massachusetts (USA) einer Zeitungsannonce, in der Freiwillige für ein harmloses Experiment gesucht wurden - gegen eine Teilnahme-Prämie von 30 Dollar. Allen wurde in einer Broschüre mitgeteilt, dass man ein neu entwickeltes Schmerzmittel testen wolle. Tatsächlich wurde jedoch später allen Teilnehmern lediglich ein Placebo ausgehändigt. Mitgeteilt wurde allerdings der einen Hälfte der Versuchsteilnehmer, das Schmerzmittel würde 2,50 Dollar kosten, der anderen Hälfte wurde ein Preis von nur 10 Cent mitgeteilt.
Zur Beurteilung, wie wirksam das Schmerzmittel ist, bekamen die Teilnehmer dann leichte Stromschläge am Handgelenk verabreicht und mussten diese dann auf einer Skala zwischen zwei Polen einstufen, zwischen "keinerlei Schmerzen" und "die schlimmsten nur vorstellbaren Schmerzen". Die leichten Stromschläge und die Schmerzeinstufung erfolgte einmal ohne Schmerztablette bzw. Placebo und einmal nach Einnahme der Pille. Als Ergebnis zeigte sich dann: 85 Prozent der Teilnehmer, die eine vermeintlich teure Schmerztablette bekommen hatten, aber nur 61% derjenigen mit dem billigen Placebo gaben an, dass sie nach Einnahme der Pille eine deutliche Senkung der Schmerzen gespürt hätten. Ähnlich zeigte sich auch, dass bei Betrachtung unterschiedlicher Schmerz-Intensitäten (verursacht durch unterschiedliche Stromspannung von 10-80 Volt) in 26 von 29 Fällen die Bewertung der schmerzlindernden Wirkung der teuren Placebos besser ausfiel.
Ein kurzer Bericht über das Experiment ist als Brief in der Zeitschrift JAMA veröffentlicht: Commercial Features of Placebo and Therapeutic Efficacy (JAMA; Vol. 299 No. 9, March 5, 2008)
Die Ergebnisse des Experiments sind von erheblicher praktischer Bedeutung, da eine Vielzahl von Patienten preisgünstige Generika im Vergleich zu erheblich teureren Original-Präparaten deutlich schlechter in der Wirksamkeit bewertet und möglicherweise so auch Ärzte dazu anhält, das teurere Mittel zu verschreiben. Irritationen bei Patienten dürften in diesem Zusammenhang jetzt allerdings häufiger auftauchen, seit Rabattverträge zwischen einzelnen Krankenkassen und Pharma-Herstellern Apotheken dazu verpflichten, dass dem Patienten in bestimmten Fällen (je nach Kassenzugehörigkeit und verschriebenem Wirkstoff) nur noch preisgünstige Generika ausgehändigt werden. vgl.: "Geiz ist geil?" - Bei preisgünstigeren Medikamenten aufgrund von Rabattverträgen haben Versicherte eine andere Meinung
Gerd Marstedt, 5.3.2008