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Wie die Familie Sackler trotz der Mitverantwortung für 300.000 Tote noch lange als Kultursponsor und Philantrop geschätzt wurde.

Artikel 2650 Die selbst in der Vergangenheit extrem medikamenten-und heroinabhängige Künstlerin Nan Goldin und einige andere KünstlerInnen machen seit Anfang 2019 zumindest auf den Feuilletonseiten dadurch Schlagzeilen, dass sie Museen und anderen Kunsteinrichtungen (z.B. dem Guggenheim Museum in New York oder der National Portait Gallery in London) mit Boykott drohen, wenn sie nicht auf die Millionen Dollar oder Pfund schwere Förderung durch die Familie Sackler aus den USA verzichten. Diese Familie gehört seit langem zu den weltweit größten und vielfach gewürdigten Sponsoren zahlreicher Museen und Universitätseinrichtungen, sodass es bis heute u.a. einen Sackler-Flügel im Metropolitan Museum of Art in New York, eine Sackler-Bibliothek an der Universität Oxford und ausgerechnet eine Sackler-Medizinfakultät an der Universität Tel Aviv gibt.
Das Geld, das die überwiegend aus Ärzten bestehende Familie verteilte, stammt nicht aus erfolgreicher hausärztlicher Tätigkeit oder vergleichbaren Tätigkeiten, sondern aus den Milliarden-Gewinnen der dieser Familie mehrheitlich gehörenden US-Pharmafirma Purdue Pharma. Auf den ersten Blick würde aber noch nicht die aktuellen Boykotte rechtfertigen.
Diese stützen sich vielmehr darauf, dass diese Firma und persönlich ihre Eigentümer bewusst und zum Teil vorsätzlich die Herstellung und aktive sowie über die Risiken der Verordnung hinwegtäuschende Vermarktung des morphiumähnlichen Schmerzmedikaments Oxycontin zu verantworten haben. Dabei nahmen sie die Abhängigkeit von Millionen von Menschen und den Tod von zig- oder gar hunderttausenden von Menschen billigend in Kauf und verdienten damit Milliarden von US-Dollars.

Die Geschichte dieses Pharmaskandals hat in zweierlei Hinsicht gesundheitspolitischen und -wissenschaftlichen Lehrstückcharakter:

• Egal, ob es um die Herstellung und den Vertrieb verschleißträchtiger Silikon-Brustimplantate oder nebenwirkungsmächtiger Arzneimittel geht, wird die kritische öffentliche Debatte oft durch das Stereotyp des "grundbösen" profitgierigen Unternehmens oder Unternehmers geprägt. Dies ist eine Art Fortsetzung des in den 60-er und 70-er Jahren weit verbreiteten Bildes vom dickbäuchigen, zigarrerauchenden, melonetragenden kurz völlig unsympathischen Kapitalisten. Undenkbar, dass solche "Typen" gleichzeitig kulturfördernde und weltweit angesehene Philantropen sind. Aber genau dies waren im Lichte der Öffentlichkeit die Mitglieder der Familie Sackler trotz aller langsam bekannt gewordenen Details ihrer Unternehmertätigkeit über viele Jahre. Sie passten einfach nicht in das Bild des "bösen" Unternehmens oder Unternehmers, was u.a. dazu beitrug, dass ihr eigentliches Image von niemand aktiv wahrgenommen wurde und fast niemand störte, also nicht zu Boykotten und anderen Maßnahmen führte. Und dies selbst dann als der US-Präsident Trump bereits im August 2017 wegen der u.a. durch Oxycontin in den USA verursachten Opioid-Epidemie den nationalen Notstand ausrief.
• Die Firma steht mittlerweile wegen der Vermarktung ihres Medikaments vielfach vor Gericht und muss in den USA Strafen in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollars bezahlen. Für die Debatte über die Kommunikation gesundheitlich riskanter Mittel und Maßnahmen stellt sich aber die Frage warum es erst 10 bis 20 Jahren nach den ersten wissenschaftlichen Aufsätzen zu den Risiken von Oyxcontin und vergleichbaren Medikamenten (vgl. unter zahlreichen anderen den 2009 erschienenen Aufsatz The Promotion and Marketing of OxyContin: Commercial Triumph, Public Health Tragedy von Ard van Zee in der Zeitschrift "American Journal of Public Health" (Februar 2009; 99(2): 221-227 und die dort zitierten weiteren Veröffentlichungen seit Ende der 1990er Jahre) und komplett kostenlos erhältlich), fast zwei Jahre nach Trumps Notstandserklärung (welche wirksamen Maßnahmen diese nach sich zog steht auf einem anderen Blatt), nach schätzungsweise 300.000 durch dieses Medikament mitbewirkten Toten in den USA und vollständiger und verständlicher journalistischer Darstellungen der durch Oxycontin verursachten und befeuerten Gesundheitsgefahren weltweit zu zivilgesellschaftlichen Reaktionen wie den eingangs geschilderten gegen die Hauptverantwortlichen kam. Verglichen mit dem bei wesentlich geringeren gesundheitsbezogenen unerwünschten Ereignissen in Sekundenschnelle aufziehenden Shitstorm in den so genannten sozialen Medien, handelt es sich, wenn es um die Sacklers und Oxycontin geht, höchstens um ein laues Lüftchen. Hinzu kommt in den Worten der Künstlerin Nan Goldin noch das: "Ich würde diese Nachricht (von der ersten kostenträchtigen Verurteilung im US-Bundesstaat Oklahoma - bb) begrüßen, wenn das Geld als Reparationen an die Menschen ginge, deren Leben die Sackler-Familie zerstört hat. 300.000 Menschen in diesem Land sind tot. (Die Familie) sollte in irgendeiner Weise für den Schaden aufkommen, den sie angerichtet hat." Trotz aller Opioid-Krisendebatte gibt es vor allem in den USA auch noch kaum regulative Maßnahmen gegen eine mögliche Wiederholung einer derartig "gelungenen" Vermarktung eines Medikaments.

Wer genauer wissen will, um was es geht und was einer kritischen Öffentlichkeit spätestens seit Herbst 2017 zugänglich war, kann dies mit zwei komplett kostenlos erhältlichen Texten tun.
Dies ist erstens der am 30. Oktober 2017 in der us-amerikanischen Zeitschrift "New Yorker" veröffentlichte brilliant recherchierte und sehr gut wie verständlich verfasste und an keiner Stelle widersprochene Essay The Family That Built an Empire of Pain. The Sackler dynasty's ruthless marketing of painkillers has generated billions of dollars—and millions of addicts. von Patrick Radden Keefe.
Zweitens ist dies der am 8. November 2018 in der britischen Tageszeitung "The Guardian" veröffentlichte Artikel The making of an opioid epidemic. When high doses of painkillers led to widespread addiction, it was called one of the biggest mistakes in modern medicine. But this was no accident. von Chris McGreal. Wer es lieber hören will, kann dies auch mit einem 27-Minuten-Podcast tun.

Bernard Braun, 29.3.19