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Epidemiologie
Psychische Erkrankungen


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Das Vorurteil der durchweg gewalttätigen "Verrückten" lässt sich anhand empirischer Daten nicht bestätigen

Artikel 1484 In Thrillern wie "Das Schweigen der Lämmer" oder "Sieben" erschauern wir im Kino noch ein bisschen mehr, wenn Gewalttäter auch noch "verrückt" sind. Auch in den Medien gehen Gewalttaten und psychische Störungen oft Hand in Hand. Eine deutsche und eine Schweizer Studie haben aufgrund einer Analyse von Tageszeitungs-Artikeln gezeigt, dass psychisch Kranke in der überwiegenden Zahl der Fälle als aggressiv und gewalttätig dargestellt werden (vgl.: Michael Eink: Oh Gott, wieviel Verrückte laufen frei herum?).

Die epidemiologische Forschung über Zusammenhänge zwischen psychischen Störungen und Gewalttaten kam bislang zu keinen einheitlichen Befunden, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Teilnehmerzahl der jeweiligen Studien eher überschaubar war. Eine neue US-amerikanische Längsschnittuntersuchung mit über 34 Tausend Teilnehmern hat nun neue Befunde erbracht. Die zentrale Erkenntnis der Studie heißt: Psychische Erkrankungen für sich allein genommen zeigen keine signifikanten Effekte für Gewalttätigkeiten, der Schizophrene oder Depressive ist nicht aggressiver oder krimineller als jeder Normalbürger. Dann allerdings, wenn sich bei psychisch Erkrankten zusätzliche, problematische Bedingungen ergeben wie u.a. Drogen- oder Medikamentenmissbrauch, Ehescheidung oder Arbeitsplatzverlust, steigt das Risiko für Gewalttaten.

Die Studie basiert auf einer Längsschnitt-Untersuchung bei 34.653 Teilnehmern ("National Epidemiologic Survey on Alcohol and Related Conditions (NESARC)"), die primär durchgeführt wurde, um Hintergründe des Alkoholkonsums und Alkoholmissbrauchs zu erfassen. In zwei Erhebungs-Wellen, 2001-2003 und 2004-2005, wurde bei den Teilnehmern eine Vielzahl von Daten erfasst: Sozialer und familiärer Hintergrund, psychische Störungen, Drogen, Gewalttaten und aggressives Verhalten, negative Lebenserfahrungen wie Scheidung oder Arbeitsplatzverlust. Anhand der Informationen aus der ersten Erhebung wurde dann überprüft, ob sich drei oder vier Jahre später in der zweiten Erhebung auffällige Zusammenhänge zu Gewalttaten nachweisen ließen.

Im Rahmen multivariater Analysen, also bei gleichzeitiger Berücksichtigung einer Vielzahl von Einflussfaktoren wurde dann deutlich, dass eine Häufung von Gewalt für die erfassten psychischen Erkrankungen Schizophrenie, Depression und bipolare Störung (früher: "manisch-depressiv") nicht nachweisen ließ. Erst wenn weitere Faktoren bei psychisch erkrankten Untersuchungsteilnehmern hinzukamen, stieg das Risiko von Gewalt. Die dabei bedeutsamsten Hintergrundfaktoren waren: junges Lebensalter, männliches Geschlecht, frühere Gewalttaten, Ehescheidung, als Kind missbraucht, Eltern kriminell, im letzten Jahr arbeitslos oder selbst Opfer von Gewalt geworden, Drogenmissbrauch.

Hier ist ein Abstract der Studie: Eric B. Elbogen, Sally C. Johnson: The Intricate Link Between Violence and Mental Disorder. Results From the National Epidemiologic Survey on Alcohol and Related Conditions (Arch Gen Psychiatry. 2009;66(2):152-161.)

Gerd Marstedt, 10.2.09