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Psychische Erkrankungen


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Im mittleren Lebensalter geschieden, verwitwet oder Single? Dann ist im Alter das Alzheimer-Risiko deutlich erhöht

Artikel 1601 Personen, die im mittleren Lebensalter, also etwa mit 50, nicht mit einem Partner zusammen sind, weisen ein deutlich höheres Risiko auf, im späteren Lebensalter (mit 65-79 Jahren) an Demenz zu erkranken. Wer lange verheiratet war oder eine feste Beziehung hatte und dann im mittleren Lebensalter Witwe/r wurde, hat beispielsweise ein fast 8mal so hohes Risiko einer späteren Demenz-Erkrankung. Dies hat jetzt eine methodisch überaus fundierte finnische Verlaufsstudie gezeigt, die bei knapp 2000 Personen über einen sehr langen Zeitraum hinweg (1972 bis 1998) Daten erhoben hat.

Soziale Netzwerke und ein kommunikativer, sozial aktiver Lebensstil, so legen es einige epidemiologische Studien nahe, können aufgrund des intellektuellen und kommunikativen "Trainings" vor Demenz-Erkrankungen schützen. Leider handelte es sich bei den meisten dieser Untersuchungen um retrospektive Studien mit Daten über frühere Lebensbedingungen und Ereignisse. Solche durch Rückschau gewonnenen Befragungs-Daten können jedoch täuschen. Darüber hinaus haben viele Studien nur einen recht kurzen Untersuchungszeitraum von einigen Jahren. Und hier liegt die Schwierigkeit einer eindeutigen Klärung der Kausalität unmittelbar auf der Hand: Waren die Studienteilnehmer anfänglich sozial isoliert und inaktiv und hat dies zur späteren Demenz geführt? Oder waren sie zuvor schon in einem Demenz-Frühstadium und daher nicht in der Lage zu umfangreichen sozialen Aktivitäten?

Die jetzt in der Zeitschrift "British Medical Journal (BMJ)" veröffentlichte Studie basiert auf Stichproben von über 30 Tausend Teilnehmern, die in Finnland für mehrere medizinische Studien zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht worden sind. Aus diesem Teilnehmerkreis wurde eine Teilstichprobe gewählt, rund 2000 Männer und Frauen, die im Jahr 1972 durchschnittlich etwa 50 Jahre alt waren bzw. mit einer gewissen Streuung auch ein wenig jünger oder älter. Für diese Gruppe und diesen Zeitpunkt lag eine Reihe von Daten vor, die in die spätere Analyse einflossen: Familienstand bzw. feste Partnerschaft, Bildungsniveau, Geschlecht, Rauchverhalten, BMI, Blutdruck, Berufstätigkeit, psychische Störungen.

In Verbindung gesetzt wurden diese Daten mit anderen Informationen, die dann etwa zwei Jahrzehnte später erhoben worden waren, also zu einem Zeitpunkt als die Studienteilnehmer im Durchschnitt etwas älter als 70 waren. Dazu gehörten insbesondere wieder Angaben zum neuen Familienstand, Untersuchungsergebnisse zu psychischen Erkrankungen (darunter kognitive Beeinträchtigungen sowie Alzheimer-Erkrankungen), sowie ferner auch Ergebnisse genetischer Analysen. Als Ergebnis dieser statistischen Analysen zeigte sich dann:

• Insgesamt und über alle Gruppen hinweg gilt die Tendenz: Wer im mittleren Lebensalter einen Partner hat, erkrankt später seltener an Alzheimer und zeigt auch seltener Anzeichen eines Nachlassens kognitiver Leistungen. Bei Singles, Witwern/Witwen und Geschiedenen ist über alle Untergruppen hinweg das Erkrankungsrisiko doppelt so hoch.
• Studienteilnehmer, die schon früh (also etwa mit 50) Witwe oder Witwer wurden, zeigten ein Demenzrisiko das knapp acht mal so hoch lag wie bei anderen, die den Partner nicht frühzeitig durch Tod verloren hatten.
• Bei Hinzuziehung genetischer Faktoren zeigte sich: Witwer, die Träger des APOE3-Gens waren (ein Genvariante, die für die Entstehung von Alzheimer mitverantwortlich gemacht wird) wiesen sogar ein 25mal so hohes Erkrankungsrisiko auf.
• Recht deutlich zeigen sich Geschlechtsunterschiede, ganz gleich, welche Gruppen man betrachtet: Im mittleren und auch im späteren Alter allein, zunächst mit Partner und dann allein. In allen Fällen lag das Risiko einer späteren Alzheimer-Erkrankung bei Männern, die im mittleren Alter allein waren, deutlich höher (zum Teil fast doppelt so hoch) wie bei Frauen.
• Vergleichbare Befunde wie für das Risiko der Alzheimer-Erkrankung ergaben sich auch für kognitive Beeinträchtigungen, die mit Testverfahren gemessen worden waren.

Die Befunde hatten auch in multivariaten Analysen Bestand, wenn der Einfluss anderer Faktoren (Bildungsniveau, Berufstätigkeit, Geschlecht, Rauchen, BMI, Blutdruck usw.) mitberücksichtigt wurde. Zur Erklärung ihrer Befunde diskutieren die Wissenschaftler ein Modell "sozio-genetischer Verletzbarkeit": Danach bewirkt der vorzeitige Verlust eines Partners Stresserfahrungen und Gefühle von Trauer und Einsamkeit, die ihrerseits wiederum das Immunsystem negativ beeinträchtigen und so die Entwicklung von Demenzerkrankungen vorantreiben.

Volltext der Studie: Krister Hakansson et al: Association between mid-life marital status and cognitive function in later life: population based cohort study (BMJ, Published 2 July 2009, doi:10.1136/bmj.b2462)

Gerd Marstedt, 8.7.09