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Epidemiologie
Psychische Erkrankungen


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Psychische Störungen: Frauen häufiger betroffen als Männer

Artikel 0211 Wie häufig treten psychische Störungen in Deutschland und den Ländern der EU auf? Wie hoch ist das Risiko, irgendwann im Leben an einer psychischen Störung zu leiden? Wie viele der Betroffenen werden behandelt? Wie hoch sind Belastung und Kosten im Zusammenhang mit psychischen Störungen in der EU? Dies sind nur einige der Fragen, zu denen jetzt in zwei englischsprachigen Berichtsbänden Ergebnisse veröffentlicht wurden. Im Bericht finden sich erstmals gesicherte Daten zur aktuellen Situation der psychischen Gesundheit in Europa. Ausgewertet wurden die Daten von insgesamt 150.000 Betroffenen aus 27 Studien. Hans-Ulrich Wittchen, Professor der Klinischen Psychologie und Psychotherapie der Technischen Universität Dresden stellte am 1.12.2005 anlässlich des 1. Deutschen Präventionskongresses die Bestandsaufnahme zur psychischen Gesundheit in Europa vor. Die wichtigsten Ergebnisse kurz zusammengefasst lauten:

• Jedes Jahr leiden in der EU 27% (83 Millionen) Männer und Frauen unter psychischen Störungen; einige chronisch, einige episodisch, einige nur einmalig für einige Wochen.
• Im Laufe des Lebens erkrankt jeder zweite zumindest einmal an einer psychischer Störung.
• Bei den meisten Störungen sind Frauen (33%) häufiger betroffen als Männer (22%), Ausnahmen: Alkohol-, Substanzstörungen und psychotische Störungen.
- Viele psychische Störungen beginnen vor dem 20. Lebensjahr und bleiben über die gesamte Lebenspanne bestehen
• Wann immer eine Störung auftritt, gibt es eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine zusätzliche Diagnose (= Komorbidität).
• Bedeutsame Unterschiede zwischen den EU-Ländern finden sich nicht.
• Es gibt wenig Anhaltspunkte für erhöhte Raten psychischer Störungen im letzten Jahrzehnt (außer Depression und Drogengebrauch).
• Psychische Störungen sind nahezu ausnahmslos mit Beeinträchtigungen der sozialen Rollen verbunden (schulische/berufliche Leistung, Elternschaft, soziale Kontakte, intime Partnerschaften). Schwere Beeinträchtigungsprofile wurden bei ungefähr einem Drittel gefunden.
• Die gesamten indirekten Kosten sind immens und übersteigen bei weitem die direkten Kosten im Gesundheitswesen.
• Pro Jahr bleiben zwei Drittel aller psychischen Störungen unbehandelt; nur einer von vier Betroffenen (26%) erhält zumindest eine minimale Intervention (z.B. eine kurze Beratung, ein kurzes Gespräch mit dem Hausarzt).
• Wenn eine psychische Störung erkannt wird, wird am häufigsten mit Psychopharmaka behandelt, Psychotherapie wird nur selten als alleinige Behandlung angeboten.
• Unterbehandlung ist besonders häufig bei Kindern und jungen Erwachsenen, bei Angststörungen und Substanzstörungen zu beobachten.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Studie liegt als PDF-Datei vor: Psychische Störungen in Deutschland und der EU - Größenordnung und Belastung. Der Aufsatz bietet einen guten Überblick über aktuelle empirische Studien zur Verbreitung psychischer Störungen und Erkrankungen (Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Depressionen, Phobien usw.).

Gerd Marstedt, 9.12.2005