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Patienten
Arztberuf, ärztl. Aus- und Fortbildung


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Euthanasie und Mord: Wie mehr als die Hälfte der Palliativmediziner in den USA von ihrer sozialen Umwelt bewertet wird

Artikel 2137 2010 wurden rund 1,6 Millionen US-Amerikaner in Hospizen versorgt, ausgehend von 25.000 im Jahr 1982. Und in 85% der größeren Krankenhäusern wurden in den letzten Jahren Teams für die palliative Behandlung gebildet. Nachdem in Deutschland zuletzt durch das Wettbewerbsstärkungsgesetz im Jahr 2007 "Versicherte mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung, die eine besonders aufwändige Versorgung benötigen, … Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung (haben)" (§ 37b SGB V) und nach § 39a SGB V stationäre und ambulante Hospizleistungen in Anspruch nehmen dürfen, zeichnet sich auch hierzulande ein rascher Anstieg der NutzerInnen dieser Leistungen ab.

Insofern könnten die Ergebnisse einer internetbasierten Befragung einer zufällig bestimmten 50%-Stichprobe der Mitglieder der "National hospice and palliatiive medicine society" zumindest für das künftige professionelle Image dieser Spezialisten in Deutschland von Bedeutung sein. Die 663 antwortenden (Responserate 53%) palliativ-medizinisch tätigen Ärzte gaben zur Eigenbewertung und vor allem zur Fremdbewertung ihrer Tätigkeit u.a. Folgendes an:

• Knapp über die Hälfte der Befragten hatten innerhalb der letzten 5 Jahre wenigstens die Erfahrung machen müssen, dass ein Familienmitglied des Sterbenden, ein anderer Arzt oder ein anderer Gesundheitsversorgungsexperte die palliativ-medizinischen Bemühungen als Euthanasie, Mord oder Killing charakterisiert hatten.
• Die Häufigkeit dieser Art von Anschuldigungen betrug 25% bei den PatientInnen selber, ebenfalls 25% bei Freunde oder Verwandten des Palliativmediziners, 56% bei anderen Ärzten, 57% bei anderen im Versorgungssystem Tätigen und 59% bei den Freunden und Verwandten des Patienten.
• Die Befragten gaben außerdem an, dass die palliative Sedierung und das Stoppen der künstlichen Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme am häufigsten als Euthanasie missdeutet wurde.
• 4% der Befragten (n=25) hatten auch bereits eine staatsanwaltschaftliche Untersuchung mit den Anfangsverdacht hinter sich, der Palliativmediziner habe den Tod eines Patienten gegen dessen Absicht beschleunigt. Ähnliche Ereignisse waren schließlich mit dem Gebrauch von Opiaten zur Symptomlinderung und des Verzichts auf mechanische Beatmung verbunden. Zum Zeitpunkt des Surveys war zwar noch keiner dieser 25 Ärzte schuldig gesprochen worden. Die Betroffenen gaben aber erheblichen Ärger und Sorgen an.

Die Befragten hielten die enorme Entwicklung der Möglichkeiten der so genannten "end-of-life care" bei gleichzeitig zu geringen Anstrengungen den Sinn und den Nutzen dieser Versorgungsarten und -Institutionen in der Öffentlichkeit und innerhalb des Ärztestandes bekannt zu machen für die entscheidenden Einflussgrößen auf die dargestellten Eigen- und Fremdbewertungen. Es reiche nicht aus, neue Berufsbilder und Behandlungsstrategien zu kreieren, ohne sich parallel dazu über die Wirkung bei Patienten und der Öffentlichkeit praktische Gedanken zu machen. Mehrere Personen- und Berufsgruppen müssten erklärt bekommen und verstehen, dass eine Behandlung, die dem terminal kranken Menschen das Leiden zu erleichtern versucht, ethisch und legal ist. Dies ist auch deshalb wichtig, weil sich das öffentliche Image als "Mörder" handfest auf die Arbeitsfähigkeit der betreffenden Berufstätigen auswirkt und damit auch auf das relative Wohlbefinden der sterbenden oder sterbenahen PatientInnen.
Zu den Gegenmaßnahmen gehört aber auch, dass die zwischen Palliativmedizinern und anderen Ärzten entstandene Lücke geschlossen wird.

Der Aufsatz "Prevalence of formal accusations of murder and euthanasia against physicians." von Goldstein NE, Cohen LM et al. ist im März 2012 im "Journal of Palliative Medicine" (15(3):334-9) erschienen. Ein Abstract ist kostenlos erhältlich.

Bernard Braun, 26.6.12