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Arztberuf, ärztl. Aus- und Fortbildung


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Patienten mit psychosozialen Problemen rufen bei vielen Ärzten Stress, Frustration und Unzufriedenheit hervor

Artikel 0612 Forschungsstudien, die Probleme im Arzt-Patienten-Verhältnis untersucht haben, konzentrierten sich bislang vor allem auf "schwierige Patienten". Eine neue Untersuchung US-amerikanischer Wissenschaftler hat jetzt einmal den "schwierigen Arzt" näher unter die Lupe genommen. Herausgekommen ist ein überraschendes Ergebnis. Ärzte, deren Patienten schwerwiegende psychosoziale Probleme haben, sei es im Arbeitsleben oder in der Familie, sind sehr viel häufiger frustriert und mit ihrer ärztlichen Tätigkeit unzufrieden, fühlen sich häufiger gestresst und sind auch depressiver. Entscheidend ist dabei, dass Ärzte offensichtlich auf nicht-medizinische, eher "seelsorgerische" und psychologische Anforderungen in der Arztpraxis im Rahmen ihrer Ausbildung nur sehr unzureichend vorbereitet sind. Bei Ärzten nämlich, die häufig Patienten mit sehr schwerwiegenden körperlichen Beschwerden und komplizierten Krankheitsbildern behandeln, zeigen sich vergleichbare Anzeichen von Stress und Unzufriedenheit nicht.

Die Daten der Studie stammen aus dem "Physician Worklife Survey", einer Befragung amerikanischer Ärzte über ihre berufliche Tätigkeit, ihre Ausbildung und aktuelle Praxis sowie ihre Arbeitszufriedenheit, aber auch Stress und Negativerfahrungen im Rahmen ihrer medizinischen Tätigkeit. Nach Ausschluss sehr spezieller Disziplinen und Tätigkeitsschwerpunkte wurden rund 1.400 Allgemein und Fachärzte in die Analyse einbezogen.

Als "schwierige Ärzte" oder "Problemärzte" wurden dann jene praktizierenden Mediziner eingestuft, die angaben, dass sie bei mehr als 15% ihrer Patienten den Kontakt immer als sehr frustrierend erleben würden. Dies traf auf rund 25 Prozent der Ärzte zu. In einer differenzierteren statistischen Analyse, in die eine Vielzahl weiterer Merkmale der Ärzte und ihrer Tätigkeit einbezogen wurden, zeigte sich dann, dass die "Problemärzte" im Durchschnitt
• sehr viel jünger waren (unter 40 Jahren),
• sehr viel länger arbeiteten (über 55 Wochenstunden) und
• sehr viel stärker über beruflichen Stress berichteten.

Am aufschlussreichsten war dann jedoch das Ergebnis, dass diese Gruppe nach eigener Aussage auch sehr viel häufiger mit Patienten zu tun hatte, die in der Sprechstunde auch über psychosoziale Probleme klagten oder mit Drogenproblemen zu tun hatten. Die Wissenschaftler fassen ihre Ergebnisse so zusammen: "Sind die hochfrustrierten Ärzte, die wir gefunden haben, tatsächlich 'schwierige Ärzte'? Wir vermuten eher, dass es sich um eine sehr gemischte Gruppe handelt, und dass sich darunter Ärzte befinden, die nur sehr unzureichend vorbereitet sind auf die psychosozialen Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Patienten."

Die Studie ist hier im Volltext nachzulesen: The difficult doctor? Characteristics of physicians who report frustration with patients: an analysis of survey data (BMC Health Services Research 2006, 6:128)

Die Ergebnisse der Studie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf deutsche Verhältnisse übertragbar. Auch in der deutschen Mediziner-Ausbildung kommen Inhalte wie Kommunikationstraining und Gesprächsführung kaum vor. Mediziner sind deshalb auf eine Reihe von Situationen in der Arztpraxis, in denen weniger medizinisches Fachwissen gefragt ist als eher psychologisches Feingefühl und Empathie, kaum vorbereitet - dies haben auch deutsche Befragungen gezeigt. vgl. etwa:
Klemperer D, Rosenwirth M. Shared Decision Making: Konzept, Voraussetzungen und politische Implikationen
Hintergundpapier 1 zum SDM-Chartbook: Was ist Shared Decision Making?
Hintergundpapier 2 zum SDM-Chartbook: Die Sicht der Patienten
Hintergundpapier 3 zum SDM-Chartbook: Die Sicht der Ärzte

Gerd Marstedt, 5.3.2007