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Alle 30 Jahre wieder: Soziale Selbstverwaltung - Fiktion oder Chance?

Artikel 1320 Regelmäßig aber mit extrem langem Abstand stellen sich Sozialpolitiker und Sozialpolitikwissenschaftler diese Frage.
32 Jahre vor dem jüngsten, vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales an WissenschaftlerInnen der Universitäten Bremen und Halle sowie der Hochschule Neubrandenburg in Auftrag gegebenen Gutachten "Geschichte und Modernisierung der Sozialwahlen" und Selbstverwaltung, machten sich Mitte der 1970er Jahre, d.h. 25 Jahre nach der gesetzlichen Wiedereinführung der Selbstverwaltung in der alten Bundesrepublik, der Sozialwissenschaftler Christian von Ferber und der Jurist Walter Bogs fast 25 Jahre die Mühe, ihre Funktion und ihre Funktionsfähigkeit theoretisch und empirisch darzustellen und zu überprüfen.

Trotz der seitdem vergangenen Jahrzehnte und einer enormen Veränderung der Rechtsgrundlagen, sind die damaligen Darstellungen nicht nur von historischer Bedeutung, sondern tragen immer noch dazu bei, nachzuvollziehen, welchen komparativen Nutzen eine selbstverwaltete Sozialversicherung hat.

In seinem Teil beschäftigt sich von Ferber auf rund 100 Druckseiten u.a. mit

• Der Begründung des Selbstverwaltungsprinzips im historischen Wandel der Legitimationsgrundlagen,
• der Selbstverwaltung als demokratischer Konkretisierung des Sozialstaatsprinzips (z.B. mit der Mitwirkung der Bürger als unterschätzter Grenze in der Wirksamkeit sozialer Leistungen),
• der Selbstverwaltung als Organisationsprinzips der Selbststeuerung komplexer Organisationen (sozialer Systeme) und der
• Weiterentwicklung des Selbstverwaltungsprinzips aber auch dessen Grenzen und Chancen.

Mit Zustimmung des Rechtsnachfolgers des damaligen Verlags stehen nunmehr seitenkonkordante PDF-Versionen des längst vergriffenen Textes "Soziale Selbstverwaltung - Fiktion oder Chance? von Christian von Ferber in Bogs, v. Ferber, infas (1976): Soziale Selbstverwaltung. Aufgaben und Funktion der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung, Band 1. Forschungsbericht Selbstverwaltung im Spannungsfeld zwischen sozialpolitischem Fortschritt und Demokratisierung der Gesellschaft im Auftrag des Bundesministers für Arbeit und Sozialordnung. Verlag der Ortskrankenkassen, Bonn dem interessierten Leser wieder kostenlos zur Verfügung.

Wegen des Umfangs des PDF-Textes ist er in die drei Teile aufgeteilt worden: Seiten 99-128, Seiten 129-184 und Seiten 184-255 inklusive der Ergebnisse einer Versichertenbefragung zur Bedeutung von Sozialwahlen von INFAS. Da kein "sauberes" Exemplar des Buches verfügbar war, finden sich in dem Text zahlreiche Lesespuren und Kommentare, von denen sich die heutigen LeserInnen nicht von der Lektüre ablenken lassen sollten.

Bernard Braun, 18.8.2008