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Patienten
Arzt-Patient-Kommunikation


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"Well, palliative is, oh God, where people go to hospital to die." Die Rolle von Begriffen und Einbettungen im Gesundheitswesen (25.4.16)
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Chemotherapie bei unheilbaren Krebsleiden: Ärzte verschweigen, dass die Lebenserwartung nur minimal verlängert wird

Artikel 1310 Erneut hat eine Studie gezeigt, dass die Kommunikation zwischen Arzt und Patient bei schweren und unheilbaren Krankheiten am Lebensende erhebliche Defizite aufweist. Die in England durchgeführte Studie ist aufgrund einer relativ kleinen Fallzahl zwar nicht repräsentativ, bestätigt aber die schon in früheren Studien gefundenen Ergebnisse. Teilnehmer waren 37 Patienten einer Klinik im Südwesten Englands, die an einer Tumorerkrankung im weit fortgeschrittenen Stadium litten: Lungenkrebs (N=12), Bauchspeicheldrüsenkrebs (N=13) und Darmkrebs (N=12).

Beteiligt waren im Rahmen von Arzt-Patient-Gesprächen 9 Onkologen. Die Gespräche, in denen mit den Patienten diskutiert werden sollte, ob eine palliative Chemotherapie durchgeführt werden sollte oder nicht, wurden mit Tonband aufgezeichnet und schriftlich dokumentiert. Palliative Chemotherapien sollen Beschwerden des Patienten lindern und darüber hinaus auch das Wachstum des Tumor und die Bildung neuer Metastasen zumindest bremsen. Eine vollständige Heilung können solche Therapien nicht bewirken und oftmals zeigt sich, dass die Lebenserwartung des Patienten bestenfalls einige Wochen oder Monate verlängert wird.

Den Wissenschaftlern erscheint es wichtig, dass Patienten zumindest eine ungefähre Vorstellung darüber bekommen, in welchen Dimensionen sich eine Verlängerung der Lebenserwartung durch die Chemotherapie bewegt - um nicht völlig unrealistische Hoffnungen zu erwecken und eine begründete Entscheidung des Patienten zu ermöglichen, ob er diese Therapie wünscht oder nicht wünscht. Denn in vielen Fällen sind die Nebenwirkungen der Therapie nicht unbeträchtlich und der Patient lebt zwar länger, aber unter nicht wirklich lebenswerten Umständen. Von daher wäre es überaus wichtig, dass Patienten auch Nutzen und Risiken gegeneinander abwägen können.

In der Analyse der Tonbandmitschnitte zeigte sich dann jedoch, dass die Onkologen in der Mehrzahl der Fälle keinerlei Angaben darüber machten oder nur äußerst vage und vieldeutige Aussagen machten. In den insgesamt 37 Gesprächen wurde die Frage nach dem zeitlichen Umfang einer verlängerten Lebenserwartung durch die palliative Chemotherapie:
• in 8 Fällen gar nicht angesprochen,
• in 18 Fällen nur überaus vage besprochen (z.B. "ein wenig länger", "einige Zeit")
• in 5 Fällen mit einer groben Zeitangabe versehen ("einige Wochen")
• in 6 Fällen relativ genau definiert ("etwa 4 Wochen).

Die Studie ist hier im Volltext verfügbar: Suzanne Audrey u.a.: What oncologists tell patients about survival benefits of palliative chemotherapy and implications for informed consent: qualitative study (BMJ 2008;337:a752, Published 31 July 2008, doi:10.1136/bmj.a752)

Die Studie hat damit erneut deutlich gemacht, dass selbst spezialisierte Onkologen, die eigentlich auf schwierige Kommunikations-Situationen mit unheilbaren Krebspatienten vorbereitet sein sollten, mit der Bewältigung dieser Aufgabe nicht zurecht kommen. Vgl. hierzu die früher schon veröffentlichten Studien:
Chemotherapie am Lebensende: Krebspatienten erfahren über ihre Krankheit mehr von Mitpatienten als von ihrem Arzt
Kommunikation mit Krebspatienten über ihre Ängste: Den meisten Ärzten fehlen die rechten Worte
Ärztliche Kommunikation über eine unheilbare Krankheit: Nächste Angehörige werden oft erst sehr spät oder gar nicht informiert

Gerd Marstedt, 5.8.2008