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"Fußballspiele anschauen kann tödlich sein!" - Erhöhtes Herzattacken-Risiko deutscher Fans während der WM 2006

Artikel 1130 Die Warnung der Editoren des US-Informationsportal "Physician’s First Watch": "Perhaps something to keep in mind when the New England Patriots face the New York Giants this Super Bowl Sunday?" am 31. Januar 2008 dürfte wohl für die Millionen von American-Football-Fans zu spat sein. Wenn nicht alle US-GesundheitswissenschaftlerInnen im Stadion oder vor den TV-Monitoren sitzen und noch monatelang über das Ergebnis diskutieren, gibt es eventuell in einem Jahr eine US-Studie, die mit der jetzt über das Herzinfaktrisiko von deutschen Fußballfans während der letztjährigen Fußballweltmeisterschaft vergleichbar ist.

Im "New England Journal of Medicine (NEJM)" (2008 31.1. 2008; volume 358 (5): 475-483) haben nämlich gerade die Münchner Mediziner Ute Wilbert-Lampen et al. den Aufsatz "Cardiovascular Events during World Cup Soccer" über die Häufigkeit z. B. neuer Herzinfarkte während der vom 9. Juni bis 9. Juli 2006 dauernden WM im Vergleich mit vier Vergleichsphasen vom 1.5. bis 8. Juni 2006, vom 10. Juli bis 31. Juli 2006, sowie vom 1. Mai bis 31. Juli in 2003 und 2005 veröffentlicht.

Dessen Kernergebnis der Bewertung des Geschehens bei 4.279 Patienten lautete:

• An Tagen, an denen die deutsche Mannschaft spielte, war das Neuauftreten von Herzinfarkten und vergleichbar schweren gefährlichen Herzattacken ("cardiac emergencies") 2,66 mal so hoch wie während der Vergleichszeiträumen (je nach Zeitpunkt zwischen 2,33 und 3,04; P<0.001). Männer lebten gefährlicher, d.h. ihr Risiko war um das 3,26fache höher, während das von Frauen "nur" um das 1,82fache höher lag.
• Unter den PatientInnen mit kardiovaskulären Ereignissen war bei 47% eine koronare Herzerkrankung bekannt, ein Wert der bei den Erkrankten in den Kontroillzeiten lediglich 29,1% betraf.
• Die höchste durchschnittliche Inzidenz von Herzattacken wurde während der ersten 2 Stunden nach dem Beginn eines Spieles der deutschen Kicker beobachtet.
• Das höchste Risiko wurde für Herzrhythmusstörungen beobachtet (3,07), dem die instabile Angina Pectoris mit 2,49 und der Herzinfarkt mit 2,49 folgten.

Was der Ratschlag der AutorInnen, "preventive measures are urgently needed", konkret meint, können sich Präventivwissenschaftler in Deutschland nicht mehr lange überlegen: Die Fußball-WM in Österreich und der Schweiz startet für die deutsche Mannschaft am 8. Juni 2008 um 20.45 Uhr in Klagenfurt gegen die polnische Mannschaft.

Der 9-seitige Aufsatz der Münchner Klinker im NEJM ist als Abstract und kostenlos auch als kompletter PDF-Text erhältlich.

Bernard Braun, 2.2.2008