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Nächtlicher Fluglärm und Gesundheit: Mehr Verordnungen von Hochdruck- und Herz-Arzneimittel bei Anwohnern eines Nachtflughafens

Artikel 0993 Die nachgewiesenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch den Verkehrslärm in Wohngebieten werden immer noch gerne für den Flugverkehr und dabei auch nächtliche Starts und Landungen von Verkehrs- und Frachtmaschinen bestritten. Dabei werden "Flüstertriebwerke" ins Feld geführt und außerdem auf den im Vergleich zum Straßenverkehr wesentlich "löchrigeren" Lärmteppich und die Limitierung der Anzahl von Flugbewegungen verwiesen.

Eine im Oktober 2007 im "Journal of Public Health" (Volume 15, Nr. 5) veröffentlichte Studie über die Verordnungshäufigkeit von blutdrucksenkenden und kardiovaskulären Arzneimittteln in der Bevölkerung, die rund um die Flugschneisen des größten deutschen Nachtflughafens in Köln-Bonn wohnt und schläft, weist auf die Fragwürdigkeit dieser Argumentation hin.

Dazu ermittelten die Bremer ForscherInnen Eberhard Greiser, Claudia Greiser und Katrin Jahnsen sowohl die Fluglärmbelastungen jedes einzelnen Fluges in den sechs flugintensivsten Monaten des Jahres 2004. Zusätzlich analysierten sie mit Daten gesetzlicher Krankenkassen die Arzneiverordnungsdaten von 809.379 Personen im Umfeld des Köln-Bonner Flughafens. Diese Daten dienten als Indikatoren für spezifische gesundheitliche Beeinträchtigungen, die mit der nächtlichen Fluglärmbelastung assoziiert wurden. Dann wurden jeder Wohnlage spezifische Lärmdaten zugeordnet. Mit multivariaten Methoden verrechneten die Wissenschaftler dann sehr differenzierte Daten über Fluglärm und anderen Lärm mit Daten zum Alter und zu ausgewählten sozialen Charakteristika der exponierten Bevölkerung.

Die Ergebnisse von Greiser et al. lauteten:

• Erhöhte Verordnungslevels gab es ausgeprägter bei Frauen.
• Mittlere Zunahmen der durch den nächtlichen Fluglärm bedingten Wahrscheinlichkeit der Verordnung von Hochdruckpräparaten und kardiovaskulärer Arzneimittel.
• Ausgeprägtere Effekte waren bei jenen Personen zu erkennen, die Arzneimittel aus verschiedenen Arzneimittelgruppen erhielten, wie z. B. Hochdruck- und Herz-Kreislaufarzneimittel oder Präparate aus diesen Gruppen und der Beruhigungsmittel. In diesen Gruppen erreichte die Wahrscheinlichkeit der Verordnung der besagten Arzneimittel-"Pakete" das 3,7fache der Verordnungshäufigkeit von nicht lärmbelasteten Männern und das 3,9fache des Werts von Frauen ohne Fluglärmbelastung.
• Zunahmen dieser Art von Verordnungen waren in allen sozialen Subgruppen der untersuchten Bevölkerungsgruppe zu finden.

Von dem Aufsatz "Night-time aircraft noise increases prevalence of prescriptions of antihypertensive and cardiovascular drugs irrespective of social class—the Cologne-Bonn Airport study" von Greiser, Greiser und Jahnsen ist nur ein "Abstract" kostenfrei erhältlich.

Bernard Braun, 31.10.2007