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Gesundheitswirtschaft: "Bedarfsgerecht, Jobmotor und nur hilfreich"? - Mehr Skepsis, Anbieterferne, Nutzen und Qualität!

Artikel 1581 Hunderttausende "Jobs" und neue Märkte mit Umsätzen und Gewinnen im Multi-Milliardenbereich sind die Schlüsselworte, die ganze Bundesländer in Verzücken versetzen und niemand mehr über die wirklichen Beschäftigungseffekte, die Realitätsnähe der Bedarfsprognosen und mögliche unerwünschte Wirkungen für die Gesundheit und den Geldbeutel der mit Angeboten der zweiten Gesundheits- oder "medical wellness"-Wirtschaft konfrontierten Menschen nachdenken lassen.

Dass nach den kritischen Erfahrungen mit der anbieterinduzierten Nachfrage im traditionellen ersten Gesundheitsmarkt der Gesetzlichen Krankenversicherung, Skepsis, Zurückhaltung und kritische Überprüfung statt Euphorie berechtigt sind, zeigt die im Auftrag der Arbeitnehmerkammer Bremen am Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) der Universität Bremen erstellte Studie "Gesundheitswirtschaft und Beschäftigung in Bremen", die im Juni 2009 veröffentlicht wurde.

Die interdisziplinär von dem Ökonomen Joachim Larisch und dem Sozial- und Gesundheitswissenschaftler Bernard Braun - beide keine Anbieter - erstellte Studie fasst die Ergebnisse einer genaueren empirischen Analyse der aktuellen Gesundheitswirtschaft und die entsprechenden Schlussfolgerungen für die weitere Debatte so zusammen: "Bevor sich die politischen Akteure des Bundeslandes Bremen in die Schar der Bundesländer einreihen, die seit einigen Jahren auf Kongressen und in Gestalt regionalpolitischer und -wirtschaftlicher Initiativen die Gesundheitswirtschaft zum uneingeschränkten Träger des wirtschaftlichen Fortschritts und des Wohlbefindens der Bevölkerung erklären und ausbauen wollen, erscheint uns notwendig zu sein, einige systematische und empirische Aspekte dieses Trägers genauer zu beleuchten und bei künftigen politischen Entscheidungen genau zu beachten."

Dabei sollen u.a. die folgenden Aspekte beachtet und bedacht werden:

• Es gibt bisher, d.h. seit Mitte der 1990er Jahre, kaum einen bundesweit empirisch nachweisbaren Nutzen für das Volumen der Beschäftigung (in Vollzeitstellen) der gesamten bisher zur Gesundheitswirtschaft zusammengefassten Wirtschaftsbereiche und Anbieter von Leistungen: "Am Volumen des "Jobmotors" zu zweifeln bedeutet natürlich nicht, den hohen und auch stabilen Anteil von Arbeitsplätzen beziehungsweise Voll-Arbeitsverhältnissen am gesamten Beschäftigungsvolumen zu ignorieren."
• Die "Ein- und Ausschlusskriterien von wirtschaftlichen Leistungsarten oder -bereichen in die Gesundheitswirtschaft sind genauer und qualitativ zu bedenken. Dies gilt insbesondere, wenn Teile der sogenannten Genussgüterindustrie und darunter auch die Tabakverarbeitung, die Fitnessbranche", ein Teil des Tourismus (so genannter "Gesundheits"-Tourismus oder "Teile der Nahrungsmittelbranche mit dem Hinweis auf irgendeinen Nutzen für das Wohlbefinden eingeschlossen werden. Die hier zu entwickelnden Kriterien sollten natürlich im Rahmen der evidenzbasierten Qualitätssicherungspolitik auch für Anbieter und Angebote im traditionellen, engeren Bereich der Gesundheitswirtschaft gelten, das heißt im Ernstfall auch zum Ausschluss führen."
• "Unabhängig von beiden bisher genannten Aspekten müssen aber in den weiteren Diskussionen und Entscheidungen zur Gesundheitswirtschaft auch die zunächst nichtökonomischen, unbeabsichtigten aber unerwünschten Wirkungen der Klassifizierung, Einordnung oder Etikettierung von Leistungsangeboten als "gesundheits"wirtschaftliche oder "Gesundheits"leistungen beachtet werden. Zu den unerwünschten sozialen Auswirkungen gehören vor allem die Individualisierung, Pathologisierung, Medikalisierung, Therapeutisierung und Verexpertlichung des Umgangs mit sozialen Ereignissen und Zuständen. Außerdem wird suggeriert, soziale Probleme durch individuelles Verhalten bewältigen zu können, was nicht nur die Lösung vieler dieser Probleme auf den Sankt Nimmerleinstag verschiebt, also Leid verlängert oder verstetigt, sondern auch ökonomische Folgelasten mit sich bringen kann. Derartige zusätzlichen Lasten entstehen auch durch eine im Bereich der engeren Gesundheitswirtschaft zu beobachtende spezielle Dynamik der angebotsinduzierten Nachfrage."

Unter Beachtung dieser und weiterer Kriterien empfehlen die Gutachter dann den quantitativen und vor allem qualitativen Beitrag zur Wertschöpfung der tatsächlich und potenziell zur Gesundheitswirtschaft gehörenden Leistungserbringer und Angebote zu untersuchen. Dies sollte auch Überlegungen umfassen, welche Angebotskonstellation notwendig ist, um in Bremen und anderswo real vorhandene und bisher nicht ausreichend befriedigte gesundheitliche Versorgungs- und Unterstützungsbedarfe wirksam und wirtschaftlich befriedigen zu können. Dabei denken die Gutachter zum Beispiel an träger- und sektorenübergreifende Angebotsstrukturen, mit denen differenzierte Steuerungssysteme erprobt und über verbesserte Versorgungsstrukturen Wirtschaftlichkeitsreserven mobilisiert werden könnten.

Die 74 Seiten umfassende Expertise "Gesundheitswirtschaft und Beschäftigung in Bremen" von Bernard Braun und Joachim Larisch ist kostenlos als PDF-Datei erhältlich.

Bernard Braun, 17.6.09