Home | Patienten | Gesundheitssystem | International | GKV | Prävention | Epidemiologie | Websites | Meilensteine | Impressum

Sitemap erstellen RSS-Feed

RSS-Feed
abonnieren


Weitere Artikel aus der Rubrik
Patienten
Versorgungsforschung: Psychische Erkrankungen


Psychische Störungen in Bayern und anderswo: Kein Anstieg der Häufigkeit in den letzten 10-15 Jahren und soziale Ungleichheit (12.10.17)
Personalausstattung in der stationären Psychiatrie zwischen gerade noch ausreichend bis desaströs. (8.7.16)
Weniger Stress mit dem was "Stress" sein könnte: elf Risikobereiche psychischer Belastungen (26.11.15)
Henne oder Ei? Ist Sprachenlernen Hirn-Jogging gegen Demenz oder lernen Leute mit "fittem" Hirn mehr und besser Sprachen? (7.6.14)
Sind Messies psychisch krank? Jedenfalls wird ihre Häufigkeit erheblich überschätzt und das Risiko ist ungleich verteilt. (18.11.13)
Weniger ist mehr, was man aber erst nach einiger Zeit bemerkt: Ein Beispiel aus der Behandlung von psychisch Kranken (13.8.13)
"Englische Verhältnisse" Modell? Transparenz über die Behandlungsqualität von psychisch Kranken in geschlossenen Einrichtungen (31.1.13)
"Use It or Lose It": Schützt ein kognitiv aktiver Lebensstil gegen Alzheimer? Ja, aber zum Teil anders als erwartet und gewünscht. (9.9.12)
Alter allein erklärt nicht die Anzahl depressiver Symptome als einem Indikator für seelische Gesundheit. (28.1.12)
"Ja, wo explodieren sie denn?" - Cui bono oder Grenzen der Anbieter- "Epidemiologie" von Übergewicht und psychischen Krankheiten (24.1.12)
Ambulant oder teilstationär vor vollstationär - gilt dies auch für die Behandlung von Menschen mit akut-psychiatrischen Störungen? (17.1.12)
"Baby blues". Nachgeburtliche Depression hat nicht selten nichts mit dem Baby zu tun, sondern mit gewalttätigen Partnern (11.12.11)
Entsprechend qualifizierte Familienangehörige verringern das Risiko von Rückfällen bei depressiven Patienten beträchtlich! (20.7.11)
Hilft transzendentale Meditation bei der posttraumatischen Belastungsstörung von Ex-SoldatInnen oder sogar bei friedlichem Stress? (1.7.11)
Nichtwissen gilt nicht: Modell der künftigen Versorgungsberichterstattung des Gemeinsamen Bundesausschusses zum Thema "Depression" (23.5.11)
Unterversorgung: Schwierigkeiten beim Zugang zur ambulanten psychotherapeutischen Behandlung nicht unerheblich! (9.3.11)
Ein Fall von Über- und Fehlversorgung: Antidepressiva haben bei "minor depression" keinen größeren Nutzen als Placebos! (13.1.11)
Psychische Erkrankungen: Viel "Epidemie" und relativ wenig evident wirksame Präventionsmaßnahmen in der Arbeitswelt (25.11.10)
Medikalisierung der emotionalen Höhen und Tiefen - Neu ab 2013 im "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorder" (DSM) (8.4.10)
Psychische Störungen: Viele Beschwerden bleiben in der hausärztlichen Praxis unerkannt (5.5.09)
Obdachlos in Seattle: Neues Sozialhilfe-Konzept für Alkoholiker ohne festen Wohnsitz ist überaus erfolgreich (3.4.09)
"Süchtige Halbgötter" oder "entmachtete Übermenschen" - Haben Ärzte Probleme mit Suchtsubstanzen? (29.1.09)
Cochrane-Studie: Johanniskraut hilft gegen Depressionen ebenso gut wie Psychopharmaka - ohne deren Nebenwirkungen (15.10.2008)
Meta-Analyse zeigt: Langzeit-Psychotherapien sind bei komplexen Störungen wirksamer als kurze Interventionen (5.10.2008)
Ist die bipolare Depression überdiagnostiziert? Trägt die Industrie dazu bei? (19.5.2008)
"No voice, no choice" - Ergebnisse der Evaluation des NHS-Programms zur Versorgung und Behandlung psychiatrisch Kranker (8.8.2007)
"We need a New Deal for depression and anxiety - a complete revolution" (27.2.2007)
Arzt-Patient-Kommunikation ist bei funktionellen Störungen wirksamer als Spritzen (21.2.2007)
Volkskrankheit Kopfschmerzen: DAK Gesundheitsreport zeigt Versorgungsdefizite auf (16.2.2007)
Folgen schwerer Unfälle langwieriger, schwerer und vielfältiger als erwartet. Reha und ambulante Betreuung verzahnen! (9.2.2007)
"Epidemie" psychischer Erkrankungen im Spiegel der Gesundheitsreporte von Krankenkassen - ein Überblick (4.2.2007)
Fehl- oder nützliche Versorgung? Von den Schwierigkeiten einer Entscheidung am Beispiel der Versorgung von Selbstmordpatienten (5.12.2006)

Seite mit den Texten aller Artikel aufrufen:
Versorgungsforschung: Psychische Erkrankungen
 

Andere Rubriken in "Patienten"


Gesundheitsversorgung: Analysen, Vergleiche

Arzneimittel, Medikamente

Einflussnahme der Pharma-Industrie

Arzneimittel-Information

Hausärztliche und ambulante Versorgung

Krankenhaus, stationäre Versorgung

Diagnosebezogene Fallgruppen DRG

Rehabilitation, Kuren

Kranken- und Altenpflege, ältere Patienten

Umfragen zur Pflege, Bevökerungsmeinungen

Schnittstellen, Integrierte Versorgung

Disease Management (DMP), Qualitätssicherung

Leitlinien, evidenzbasierte Medizin (EBM)

Verhaltenssteuerung (Arzt, Patient), Zuzahlungen, Praxisgebühr

Arztberuf, ärztl. Aus- und Fortbildung

IGeL Individuelle Gesundheitsleistungen

Alternative Medizin, Komplementärmedizin

Arzt-Patient-Kommunikation

Patienteninformation, Entscheidungshilfen (Decision Aids)

Shared Decision Making, Partizipative Entscheidungsfindung

Klinikführer, Ärztewegweiser

Internet, Callcenter, Beratungsstellen

Patienteninteressen

Patientensicherheit, Behandlungsfehler

Zwei-Klassen-Medizin

Versorgungsforschung: Übergreifende Studien

Versorgungsforschung: Diabetes, Bluthochdruck

Versorgungsforschung: Krebs

Versorgungsforschung: Psychische Erkrankungen

Versorgungsforschung: Geburt, Kaiserschnitt

Versorgungsforschung: Andere Erkrankungen

Sonstige Themen



Cochrane-Studie: Johanniskraut hilft gegen Depressionen ebenso gut wie Psychopharmaka - ohne deren Nebenwirkungen

Artikel 1363 Noch 2005 hatten vier Münchener Wissenschaftler in einer Cochrane-Studie "St John's wort for depression" festgestellt, der Forschungsstand hinsichtlich der Wirksamkeit von Johanniskraut gegen Depressionen sei widersprüchlich und verwirrend. Jetzt revidierte die Forschungsgruppe um Klaus Linde vom Zentrum für naturheilkundliche Forschung der Technischen Universität München in einer um neuere Veröffentlichungen ergänzten Cochrane-Studie ihr Urteil: "Johanniskraut-Extrakte, die in den untersuchten Studien verwendet worden waren", heißt es in der Zusammenfassung, "seien bei Patienten mit leichten bis mittelschweren Depressionen a) wirkungsvoller als Placebos, b) genau so wirkungsvoll wie Antidepressiva, hätten aber c) weitaus weniger Nebenwirkungen als diese Psychopharmaka."

29 Studien mit insgesamt 5.489 Patienten schlossen die Wissenschaftler diesmal in ihre Analyse ein, durchweg randomisierte (mit zufälliger Zuordnung der Teilnehmer zu verschiedenen Untersuchungsgruppen) und verblindete Studien (ohne Kenntnis der beteiligten Wissenschaftler über die Art der jeweiligen Intervention in den verschiedenen Gruppen). Durchgeführt wurden zwei Vergleiche hinsichtlich der Wirkung: Johanniskraut-Extrakte vs. Placebo, Johanniskraut-Extrakte vs. Antidepressiva, und zwar Standard-Medikamente. Als Ergebnis zeigte sich:
• In neun größeren Studien zeigte sich, dass der Effekt von Johanniskraut 1,28mal besser war als der eines Placebo. In weiteren neun Studien mit allerdings kleinerer Teilnehmerzahl war der Effekt sogar 1,87mal größer.
• Beim Vergleich von Johanniskraut mit Antidepressiva zeigten sich unterschiedliche, teils positive, teils negative Befunde. Dies bestätigte sich auch, wenn man Studien nach der Teilnehmerzahl - in Studien mit größerer und kleinerer Teilnehmerzahl - aufteilte. Unter dem Strich blieb dann das Ergebnis stehen: Der Effekt von standardmäßig eingesetzten Antidepressiva (aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen) ist genau so groß wie der von Johanniskraut.
• Überraschend war für die Wissenschaftler, dass Ergebnisse von Studien aus dem deutschsprachigen Raum sehr viel positiver für die Wirkung von Johanniskraut ausfallen. Eine endgültige Erklärung liefern die Forscher hierfür nicht, diskutieren jedoch verschiedene Hypothesen. So sind möglicherweise in den deutschen Studien anderen Formen depressiver Erkrankungen berücksichtigt worden, bei denen Johanniskraut besser wirkt. Ursächlich könnte aber auch sein, dass die Studienteilnehmer unterschiedlich rekrutiert wurden, in Deutschland oft aus Arztpraxen, im Ausland öfter aus Universitäts-Kliniken und Forschungseinrichtungen.

Ein kostenloses Abstract der Cochrane-Studie ist hier: Linde K, Berner MM, Kriston L.: St John's wort for major depression (Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 4. Art. No.: CD000448. DOI: 10.1002/14651858.CD000448.pub3)

Gerd Marstedt, 15.10.2008