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Patienten
Versorgungsforschung: Psychische Erkrankungen


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"No voice, no choice" - Ergebnisse der Evaluation des NHS-Programms zur Versorgung und Behandlung psychiatrisch Kranker

Artikel 0842 Die sich selbst als "health watchdog" des britischen NHS-Gesundheitssystems bezeichnende "Healthcare Commission" hat sich in den letzten Monaten zusammen mit der "Commission for Social Care Inspection (CSCI)" speziell um eine Bestandsaufnahme des komplexen Angebots an Gesundheitsdienstleistungen für psychiatrisch erkrankte Erwachsene gekümmert.
Ein weltweit existierendes und unterschiedlich weit und tief bearbeitetes Ziel der Versorgung dieser Personengruppe ist, sie möglichst nicht (mehr) in speziellen ortsfernen Krankenhäusern (z. B. Landeskrankenhäusern in Deutschland) behandeln oder - wie die Kritiker sagen - "wegsperren" zu lassen, sondern ambulante örtliche Versorgungs- und Betreuungsstrukturen aufzubauen ("community care").

Dass es sich dabei nicht um extreme Minderheitsherausforderungen handelt, zeigen die Zahlen für Großbritannien: Ein Sechstel der dortigen Bevölkerung leidet zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebenslaufes an einer psychiatrischen Erkrankung wie einer Depression oder an Schizophrenie.

Beim Report der Healthcare Commission handelt es sich um die aktuelle Bewertung einer noch recht jungen Reform (seit 1999 und z. B. in Wales ab 2005) der integrierten gesundheitlichen und sozialen Versorgung dieser Personengruppe. Diese Reform schuf ein "National Service Framework", spezialisierte lokale und regionale "mental health services" und so genannte "Local Implementation Teams (LITs)", von denen 2005/2006 174 existierten. Dieses Programm wurde auch noch durch einen allgemeineren "Care Programme Approach (CPA)" begleitet.

Die Evaluation der LIT-Arbeit bewertete drei Aspekte: die Einbeziehung oder Beteiligung der NutzerInnen der Dienstleistungen, der Zugang zu einer angemessenen Versorgung und Behandlung (wie z. B. der Gesprächstherapie) und der Grad der sozialen Re-Inklusion.

An wesentlichen Ergebnissen fand der "Gesundheitswachhund" folgende:

• Insgesamt gab es eine ständige Verbesserung der Verbreitung und Qualität der neuen Behandlungs- und Versorgungskonzeption für psychiatrisch Kranke und
• die LIT erwiesen sich als wirksame Instrumente, diese neuen Angebote aufzubauen und an die Zielgruppe heranzutragen.
• Trotzdem arbeiten erst 54 % der LIT in allen drei untersuchten Bereichen gut oder exzellent, 46 % aber lediglich mittelmäßig oder schwach. Dabei gibt es erhebliche regionale Schwankungen.
• Der Review identifizierte in jedem der drei untersuchten Bereiche erhebliche Leistungsmängel.
• Dies betraf auch erheblich die Einbeziehung der Patienten in Entscheidungen über ihre Versorgung und Behandlung oder andere leitlinienartig im CPA empfohlene Aktivitäten. So erhielt nur die Hälfte der betroffenen Personen eine Kopie ihres Versorgungs-/Behandlungsplanes, nur 29 % der Behandlungspläne enthielten Bestimmungen was zu tun ist, wenn der Patient über irgendetwas nicht selber entscheiden kann, ein Drittel der Personen wussten nicht, wer ihr Versorgungs-Koordinator war, über 50 % der Nutzer der "mental health services" wurden nicht nach ihrer Meinung über verordnete Arzneimittel gefragt und ein Drittel erfuhr keinerlei Information über die Nebenwirkungen der verordneten Medikamente.
• Weniger als die Hälfte der Patienten hatte die Telefonnummer einer für Notfälle zuständigen Fachperson und trotz eines von NICE für alle Patienten empfohlenen Angebots der kognitiven Verhaltenstherapie verfügten nur 46 % über einen realen Zugang.
• Auch die soziale Wiedereingliederung ließ zu wünschen übrig: Die Beschäftigungsrate von psychiatrisch Kranken ist die niedrigste unter den Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Nur 50 % der Personen, die Hilfe bei der Suche nach einem Arbeitsplatz benötigten, erhielten sie. Eine Reihe von Patienten hatte das Gefühl, dass ihre Gesundheitsbedürfnisse "are not taken seriously".
• Einer der Ratschläge der Commission, die Möglichkeit direkter Bezahlung der Dienste zu stärken und damit den Erkrankten mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten einzuräumen, hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl: Einerseits stellt dies eine Möglichkeit des Ernstgenommenwerdens und der Integration dar, andererseits sind Angehörige dieser Erkranktengruppe zumindest teilweise nicht besonders durchsetzungsfähig und könnten somit auch leicht für Anbieterinteressen vereinnahmt werden.

Wer mehr über die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen des Berichts "No voice, no choice. A joint review of adult community mental health services in England" wissen will, kann dies in einer langen Zusammenfassung für die Presse machen oder sich den 52 Seiten umfassenden Report als PDF-Datei kostenlos herunterladen.

Bernard Braun, 8.8.2007