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Versorgungsforschung: Diabetes, Bluthochdruck


Weniger ist mehr: Das Beispiel täglich-mehrfache Blutzuckermessung durch nicht insulinpflichtige DiabetespatientInnen. (15.12.18)
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Neue und teurere orale Antidiabetika nicht wirksamer und nützlicher als "alte"! - Review über die Situation in den USA.

Artikel 0811 Zu einem der umstrittensten Themen im Arzneimittelmarkt gehört die kontinuierliche Einführung neuer Arzneimittel, die meist teurer sind, aber mit dem Versprechen einhergangen, eine höhere Wirksamkeit sowie einen größeren Komfort zu bieten als die meist auch weiter dem Markt befindlichen "alten" Mittel. Gegen diese natürlich meist von den Herstellern dieser Neuangebote gepflegte Argumentationskulisse wenden unabhängige Arzneimittelexperten oft ein, es handle sich dabei häufig um Scheininnovationen oder "Me-too"-Präparate, die keinen zusätzlichen Nutzen für die Patienten böten aber den Umsatz und Gewinn der Hersteller erhöhten. Um die damit auch häufig verbundene Umgehung von Festbeträgen und anderen regulativen Eingriffen in die Kostenentwicklung der Medikamentenversorgung zu unterbinden, werden von den Skeptikern auch zusätzliche Nachweise des erhöhten Nutzen oder der verbesserten Wirksamkeit verlangt.

Für einen Teilmarkt, nämlich der medikamentösen Versorgung von Diabetikern, also einer der größten Gruppen chronisch Kranker, haben jetzt ForscherInnen der Johns Hopkins University in Balimore (USA) einen Überblick zu den Ergebnissen vergleichender Forschung zu den Effekten "alter" und neuer Antidiabetika zu erstellt.

Das Ergebnis des Reviews von 216 kontrollierten und Kohorten-Studien und zwei anderen systematischen Reviews, die den Nutzen und die Probleme der oralen Diabetesmittel, die in den USA erhältlich sind untersucht hatten, liegt jetzt unter dem Titel "Systematic Review: Comparative Effectiveness and Safety of Oral Medications for Type 2 Diabetes Mellitus" als Aufsatz von Bolen et al. zunächst als Online-Dokument und dann am 18. September 2007 gedruckt in den "Annals of Internal Medicine" (Volume 147, Issue 6) vor.

Die wichtigsten Erkenntnisse lauten:

• In den meisten Studien werden bei der Untersuchung des Nutzens nicht die großen klinischen Endpunkte untersucht wie z. B. die Herz-/Kreislaufsterblichkeit, sondern meist nur die Beeinflussung von Endpunkten bzw. Parametern mittlerer Reichweite und Bedeutung ("intermediate end points").
• Die Nutzenindikatoren sind dann der Blutzuckerspiegel, verschiedene Blutfettwerte und das Gewicht, also teilweise nur Surrogatparameter.
• Beim Vergleich der neuen und teureren Wirkstoffen Thiazolidinedione ("Glitazone"), Alpha-Glukosidasehemmer und Meglitinide mit den "alten" Wirkstoffen Sulfonylharnstoffe der zweiten Generation und Metformin war die Wirkung der "alten" Wirkstoffe auf den Blutzuckerspiegel, die Blutfettwerte und andere "intermediate end points" gleich hoch oder sogar höher und besser als bei den Neupräparaten.
• Die ForscherInnen fordern allerdings abschließend trotzdem, es müssten große und langfristige vergleichende Studien über die Wirkung der oralen Antidiabetika auf harte klinische Endpunkte (z.B. Infarktsterblichkeit) durchgeführt werden.

Die Komplettfassung ist als Nicht-PDF-Version im Moment hier kostenlos erhältlich.

Das Abstract des bisher nur online vor-veröffentlichten Aufsatzes von Bolen, Feldman, Vassy, Wilson, Yeh, Marinopoulos, Wiley, Selvin, Wilson, Bass und Brancati "Systematic Review: Comparative Effectiveness and Safety of Oral Medications for Type 2 Diabetes Mellitus" ist kostenlos hier erhältlich.

Bernard Braun, 18.7.2007