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"In welchem Alter haben Sie die Krankheitslast eines durchschnittlich 65-jährigen Menschen?" Wer hat das beste Gesundheitssystem?

Artikel 2647 Die meisten Gesundheitspolitiker in entwickelten Staaten Europas oder Nordamerikas brüsten sich gerne damit, dass sie das "beste Gesundheitssystem" haben und stützen sich dabei oft auf die Beantwortung von simplen Zufriedenheitsfragen in Bevölkerungsumfragen. Zufriedenheitsfragen allein produzieren systematisch positiv verzerrte Antworten und müssen dann, wenn sie überhaupt gestellt werden, zusammen mit anderen spezifischeren Fragen und Indikatoren betrachtet werden.
Wie dann manche sich reiner Selbstbespiegelung verdankende Rangreihe durcheinander und realistischer gerät, zeigt eine gerade in der Fachzeitschrift "Lancet Public Health" veröffentlichte international vergleichende Studie von europäischen und us-amerikanischen Wissenschaftlern.

Mit Daten der "Global Burden of Disease study (GBD) 2017" entwickeln die AutorInnen zunächst auf der Basis von 92 unterschiedlichsten Erkrankungen eine Reihe von altersstandardisierten altersspezifischen Indikatoren für die Krankheitslast in 195 Ländern und die Jahre 1990 und 2017.
Allgemein ergibt sich dann folgendes Bild:

• Zwischen 1990 und 2017 reduziert sich die altersbezogene Krankheitslast in allen Regionen der 195 Länder. Dies gilt insbesondere für das Mortalitätsrisiko und die altersbezogene Erkrankungsschwere.
• Verglichen mit dem Durchschnittswert für alle Länder tritt die mit dem Altern verbundene Häufung von Gesundheitsproblemen früher und in 87 Ländern später auf als im Alter von 65 Jahren.
• Weltweit sind vor allem ischämische Herzerkrankungen, Hirnblutungen und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) für die Sterblichkeit und die durch Behinderung verlorenen Lebensjahre ("disability-adjusted life years (DALY)" verantwortlich.

An welcher Position sich die gesundheitlich vermeintlich besten oder besseren Ländern befinden, wenn untersucht wird, in welchem Lebensalter die gesundheitliche Situation der Bevölkerung so aussieht wie die der durchschnittlich 65-Jährigen, führt zu interessanten Ergebnissen:

• In Japan, und damit erreicht das Land weltweit den Platz 1, sind im Durchschnitt erst die Menschen im Alter von 76,1 Jahren so krank wie durchschnittlich 65-Jährige. Auf den weiteren Plätzen stehen die BürgerInnen der Schweiz (76,1 Jahre), Frankreichs (76 Jahre) oder bereits auf Platz 10 Peru (74,3 Jahre).
• In Papua-Neu-Guinea, und damit belegt das Land weltweit den letzten Platz, haben die BewohnerInnen bereits mit 45,6 Jahren die Krankheitslast von durchschnittlich 65-jährigen Personen. Die Marschall-Inseln (51 Jahre), Afghnanistan (51,6 Jahre) oder Guinea-Bissau (54.5 Jahre) nehmen dann die weiteren Plätze ein.
• Zwischen den Ländern mit früher oder später im Lebensalter auftretenden altersspezifischen Krankheitslasten von durchschnittlichen 65-Jährigen existiert also eine Spanne von rund 30 Lebensjahren.
• Die USA erreichen gerade den Platz 53 und liegen damit zwischen dem Iran (Platz 54) und Algerien Platz 52).
• Und Deutschland liegt wie fast immer auf einem "guten" Mittelplatz: Deutsche BürgerInnen müssen zwar die Krankheitslast von 65-Jährigen erst im Alter von 70,7 Jahren tragen, damit liegt Deutschland aber erst auf Platz 38, einen Platz besser als Costa Rica und einen schlechter als Großbritannien.

Beim Indikator der durch Behinderung verlorenen Lebensjahre sieht es 2017 erneut mit 104,9 DALYs pro 1.000 Erwachsene im Alter von 25 Jahren und älter weltweit am besten in der Schweiz aus und in Papua Neuguinea mit 506,6 DALYs pro 1.000 Erwachsene am schlechtesten. Hier erreicht Deutschland mit 144,7 DALYs den Platz 33.

Zahlreiche weitere Indikatoren und internationale Rangreihen finden sich in dem Aufsatz Measuring population ageing: an analysis of the Global Burden of Disease Study 2017 von Angela Y Chang, Vegard F Skirbekk, Stefanos Tyrovolas, Nicholas J Kassebaum und Joseph L Dieleman. Erschienen ist er im "The Lancet Public Health" (2019; 4 (3): e159-167) und ist komplett kostenlos erhältlich.
Zusätzliche Daten für Länder und Regionen, die den Berechnungen zugrundeliegenden oder ausgeschlossenen Krankheiten und zahlreiche methodische Hinweise finden sich in dem ebenfalls kostenlos erhältlichen 37-seitigen "Supplementary appendix".

Bernard Braun, 11.3.19