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Epidemiologie
Übergewicht, Adipositas


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Deutsche sind die dicksten Europäer? Wie es zu einer Zeitungsente kam und was die neuesten Fakten sind

Artikel 0872 Pressemeldungen und wissenschaftliche Studienergebnisse über die zunehmende Bedeutung von Übergewicht und Adipositas häuften sich bis vor kurzem vorwiegend jenseits des Atlantik oder Ärmelkanals. Von dort kamen auch Berichte über stets neue Gegenstrategien: Die "Lebensmittel-Ampel" auf Ernährungsprodukten, gesundes Schulessen, Werbeverbote im Kinderfernsehen, Volksläufe und auch die operative Magenverkleinerung. Eine sehr oberflächliche Datensammlung über die Verbreitung von Übergewicht in den EU-Ländern und daraus abgeleitete Schlagzeilen ("Deutsche sind die dicksten Europäer") brachten dann jedoch auch in Deutschland eine neue Präventionsdebatte ins Rollen. Es geschah im April 2007, als eine Meldung der hierzulande weithin unbekannten "International Association for the Study of Obesity (IASO)" in den Schlagzeilen nahezu aller TV-Sender, Tages- und Wochenzeitschriften auftauchte. "Deutsche sind die dicksten Europäer" hieß es da (Süddeutsche Zeitung), "Deutsche holen zweifelhaften Rekord - Europameister im Dicksein!" (Tagesschau) oder sprachverspielter: "Deutsche haben in Moppel-Liga den Bauch vorn" (Spiegel online).

Die "IASO" hatte eine Pressemitteilung herausgegeben und im Internet eine zweiseitige Tabelle veröffentlicht, in der Daten zur Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas in 25 EU-Ländern dargestellt waren (IASO 2007). Am Schluss der Tabelle tauchten einige Hinweise auf: Dass die Stichproben der Länder hinsichtlich der Altersgruppen voneinander abweichen, dass unterschiedliche Erhebungsjahre vorliegen, dass (schwer vergleichbare) Ergebnisse aus Messungen und aus Befragungen verwendet wurden. Doch diese Hinweise wurden übergangen oder blieben unverstanden, war doch aus der Tabelle klar abzulesen, dass 75,4 Prozent der deutschen Männer einen BMI-Wert von über 25 aufweisen und damit auf der Europa-Rangliste für Übergewicht auf Platz 1 liegen.

Der "Gesundheitsmonitor" der Bertelsmann-Stiftung beschäftigt sich vor diesem Hintergrund in einer Extra-Ausgabe seines Newsletter mit dem Thema Übergewicht und Adipositas.
• Ein Beitrag von Helmert/Schorb gibt zunächst einen Überblick über die nationalen und internationalen Daten zur Häufigkeit und Verteilung von Übergewicht und Adipositas und eine Analyse zu deren zeitlicher Entwicklung 2002 bis 2006 in Deutschland anhand der im Gesundheitsmonitor erfassten Daten. Dabei zeigt zunächst ein internationaler Vergleich zur Adipositas in den OECD-Staaten: Deutsche sind keineswegs die dicksten Europäer. Die USA weisen insgesamt mit Abstand die höchste Rate auf (Männer 31,1 Prozent, Frauen 33,2 Prozent). Die beiden folgenden Ränge nehmen Griechenland und Neuseeland ein. Deutschland befindet sich unter den Ländern mit Befragungsdaten im Mittelfeld (Männer Rang 5, Frauen Rang 6). Allerdings wird auch deutlich, dass zwischen 2002 und 2005 für die drei gewählten Gewichtsklassen bei beiden Geschlechtern ein deutlicher Anstieg der Adipositas-Quoten und ein leichter Anstieg der Übergewichts-Quoten (BMI >= 25) zu verzeichnen ist. Der schon zuvor beobachtete Trend der Verbreitung von Übergewicht hält also auch in Deutschland an.

• In einem zweiten Beitrag gibt B.Braun eine Übersicht zu gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Erreichbarkeit und Teilnahmebereitschaft der Bevölkerung an Präventionsmaßnahmen zu diesem Thema und zur Wirksamkeit der vielfältigen Interventionen. Die Überschrift des Artikels "Mehr Bescheidenheit in der Zielsetzung wäre angeraten" verdeutlicht die Kernbefunde. Einerseits zeigen fast alle Studien, dass nur ein verschwindend kleiner Teil jener Personengruppen, die aufgrund ihres BMI oder anderer Indikatoren zur Zielgruppe von Übergewichtsreduktions-Programmen gehören, auch zur Teilnahme an einem Programm (ganz gleich welcher Thematik), mobilisiert werden kann. Darüber hinaus wird aber aus der großen Mehrzahl zumindest der methodisch fundierten Studien deutlich, dass der längerfristige Erfolg von Interventionsmaßnahmen überaus bescheiden ist. Der Artikel zählt auch einige Ergebnisse auf, die sich als zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung von Maßnahmen erwiesen haben. Dazu zählen etwa die Einbettung in die soziale Realität der Untersuchungsteilnehmer unter Einbeziehung der alltäglichen Lebensräume (Arbeit, Schule, Familie, Peer-Groups) oder auch eine gezielte Teilnehmer-Auswahl und eine klare konzeptionelle Orientierung auf die spezielle Zielgruppe anstelle der zumeist gängigen Ansprache an anonyme Bevölkerungskreise.

• Der Newsletter gibt abschließend noch einen Überblick über internationale Erfahrungen bei der Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas durch kurze Länderberichte aus Kanada, den USA, Polen, Spanien und Japan und stellt beispielhaft Inhalte, Umfang und Wirksamkeit der dort durchgeführten Programme vor.

Hier finden Sie den Gesundheitsmonitor Newsletter Sonderausgabe 2007 - Übergewicht
Hier ist ein Anhang zum Newsletter mit Literaturangaben und Daten-Tabellen

Gerd Marstedt, 24.8.2007